• 4. December 2020

Erhalt des Pingusson-Baus (ehemalige französische Botschaft)

Stadtrat der Landeshauptstadt Saarbrücken  03.09.2019 

Betreff: Erhalt des Pingusson-Baus (ehemalige französische Botschaft) 

Beschlussvorschlag: Der Stadtrat der LHS spricht sich gegenüber der Landesregierung des Saarlandes für einen  Erhalt des Pingusson-Baus aus und wendet sich entschieden gegen die neuerdings wieder in die Erwägung gezogenen Abrisspläne der Landesregierung. 

Begründung: 

Der Pingusson-Bau, ehemals französische Botschaft im Saarland, ist ein zeitgeschichtliches Baudenkmal von herausragender Bedeutung. Gebäude, Garten und Inneneinrichtung bilden ein Ensemble ganz besonderer Extravaganz. Bauherr in den fünfziger Jahren war die Republik Frankreich, die für ihre Repräsentanz einen der bekanntesten Architekten der Avantgarde, Georges-Henri Pingusson, ein Weggefährte von Le Corbusier, beauftragte.  

Der Pingusson-Bau ist das größte und wichtigste Gebäude der Nachkriegsarchitektur im Saarland  der fünfziger Jahren und steht wie kein anderes Gebäude für die besondere saarländische Geschichte im deutsch-französischen Verhältnis. Ein Abriss der früheren französischen Botschaft würde die von der Landesregierung vielbeschworene „Frankreichstrategie“ ad absurdum führen und das Saarland und Saarbrücken international der Lächerlichkeit preisgeben. Ein Abriss würde ein fatales Zeichen setzen. Zur Steigerung der Attraktivität des Landes und seiner Landeshauptstadt dürfen einzigartige und identitätsstiftende Gebäude nicht abgerissen werden gerade vor dem Hintergrund der brachliegenden Industriekultur und des Schicksals der Bergwerksdirektion, die zu einem Shopping-Center verkommen ist. Aber auch für Saarbrücken ist der Pingusson-Bau für die zukünftige Stadtentwicklung in AltSaarbrücken von zentraler Bedeutung. Als signifikante Landmarke an der Stadtautobahn prägt dieses Gebäude wie kein anderes die Einfahrt zur Stadtmitte. Darüber hinaus ist es ein städtebauliches Signet in der Achse Eisenbahnstraße  – HTW-Campus. Für Saarbrücken ist der Pingusson-Bau der zentrale Baustein der Stadtentwicklung in AltSaarbrücken. 

Umso wichtiger ist die Gewissheit, dass das Gebäude nicht der „Abrissbirne“ zum Opfer fällt. Der Innenminister der Landesregierung hegt offenbar ernsthafte Abrisserwägungen. (SZ 9. 8. 2019) Bevor eine Grundsatzentscheidung der Landesregierung aufgrund eventueller negativer Empfehlung des Landesrechnungshofs und einer reinen Wirtschaftlichkeitsberechnung zu Lasten des Pingusson-Baus ergeht, sollte sich der Rat der Stadt Saarbrücken klar positionieren für den Erhalt des einzigartigen Gebäudes, um das uns andere Städte beneiden.  

Für den Erhalt des Gebäudes treten auch ein: 

Städtebaubeirat der LHS Saarbrücken Bund Deutscher Architekten Deutscher Werkbund Saar Architekten- und Ingenieurverein Saarland Stiftung Baukultur Saar 

Selbst bei Sanierungskosten von 53 Millionen, wie derzeit in den Raum gestellt (Im Sommer 2014 waren es noch 2 Millionen), wäre ein Abriss unverantwortlich. Es wird nicht verkannt, dass das Land mit einer fachgerechten Sanierung und phantasievoller Nutzung überfordert ist auch unter dem Zwang der Schuldenbremse. Es müssen nun ernsthaft Alternativen der Nutzung, Finanzierung und der Fördermöglichkeiten durch Dritte  gesucht werden. Ein herausragendes Beispiel in jüngerer Vergangenheit war die Erfolgsgeschichte der Völklinger Hütte die aufgrund guten Managements zu einem Weltkulturerbe wurde. Nach Einstellung der Produktion sollte die Hütte abgerissen werden. Nur der seinerzeit geringe Schrottpreis bewahrte die Hütte vor diesem Schicksal. Damit nicht endgültige , unumkehrbare Fakten geschaffen werden, sollte der Rat von Saarbrücken klar seinen Willen  gegen einen Abriss ausdrücken, um das bauhistorisch wertvolle Gebäude der Nachwelt und zukünftigen Generationen erhalten zu können. 

Antragsteller: Krämer, Bernd-Georg 

0 Reviews

Write a Review

AfD-Stadtratsfraktion

Read Next

Offener Brief: Berichterstattung über Pingusson-Bau

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *